Nutri-Score: Bedeutung, Berechnung und Bewertung

Redaktion
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Der Nutri-Score ist der schnelle Farb- und Buchstabencheck im Supermarktregal: Von A in Grün bis E in Rot zeigt er, wie die Nährwertzusammensetzung eines Produkts ausfällt. Ernährungswissenschaftlerin und Dozentin Prof. Dr. Aline Pamsl erklärt, wie die Bewertung entsteht, was sich an der Berechnung geändert hat und worauf Sie beim Einkauf achten sollten.

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Was ist der Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist eine freiwillige Nährwertkennzeichnung für vorverpackte Lebensmittel. Er ergänzt die verpflichtenden Angaben auf dem Etikett und soll Verbraucherinnen und Verbrauchern die Auswahl erleichtern. Entwickelt wurde die Lebensmittelampel in Frankreich, wo sie seit 2017 verwendet wird. In Deutschland können Hersteller sie seit November 2020 auf ihren Verpackungen anbringen.

Welchen Nutzen die Kennzeichnung hat, erklärt Prof. Dr. Aline Pamsl: „Im Einkaufsalltag bleibt oft wenig Zeit, um Nährwerttabellen und Zutatenlisten genau zu vergleichen. Eine leicht erkennbare Kennzeichnung kann dabei helfen, Unterschiede zwischen ähnlichen Produkten schneller zu sehen und bewusster auszuwählen.“

Gemeint ist beispielsweise der Vergleich verschiedener Frühstücksflocken oder Pizzen. Der Nutri-Score hilft dabei, unter solchen Alternativen das Produkt mit der günstigeren Nährwertzusammensetzung zu erkennen.

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Was bedeuten die Kennzeichnungen A bis E?

„Der Nutri-Score fasst ausgewählte Angaben zur Nährwertzusammensetzung in einer fünfstufigen Farb- und Buchstabenskala zusammen“, erläutert Pamsl. A in Dunkelgrün steht für die günstigste, E in Rot für die ungünstigste Stufe der Nährwertbewertung. Dazwischen liegen B in Hellgrün, C in Gelb und D in Orange. Auf der Verpackung wird die jeweilige Einstufung hervorgehoben.

Die Kennzeichnung übersetzt damit mehrere Einzelwerte in ein leicht erkennbares Ergebnis. Wie es zustande kommt, hängt von den berücksichtigten Nähr- und Inhaltsstoffen sowie den Berechnungsregeln für die jeweilige Produktgruppe ab.

 

Wie wird der Nutri-Score berechnet?

Grundlage der Berechnung sind die Nährwerte pro 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Lebensmittels oder Getränks. Für ungünstige Bestandteile werden Punkte vergeben; Punkte für günstige Bestandteile können davon abgezogen werden. Je niedriger die Gesamtpunktzahl ausfällt, desto günstiger ist die Einstufung. Anschließend wird das Ergebnis einem Buchstaben von A bis E zugeordnet.

Welche Bestandteile berücksichtigt werden, beschreibt Pamsl so: „Zucker, Salz, Energiegehalt und gesättigte Fettsäuren gehen als ungünstige Bestandteile in die Berechnung ein; Ballaststoffe, Eiweiß und der Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten können die Bewertung verbessern.“ Für bestimmte Produktgruppen gelten dabei besondere Regeln.

Nutri-Score: So funktioniert die Berechnung. © IKK classic

Dass hinter dem leicht verständlichen Label ein differenziertes Verfahren steckt, überrascht die Expertin nicht: „Die Berechnung ist komplexer, als die einfache Skala vermuten lässt. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sie beim Einkauf aber nicht selbst nachvollziehen: Der Nutri-Score soll gerade eine schnelle Einordnung ermöglichen. Umso wichtiger ist, transparent zu erklären, was in die Bewertung einfließt und was nicht.“

Der überarbeitete Algorithmus wird in Deutschland seit dem 1. Januar 2024 angewendet. Für bereits gekennzeichnete Produkte galt eine Übergangsfrist bis Ende 2025. Die aktualisierte Berechnung bewertet unter anderem Zucker und Salz strenger und unterscheidet einzelne Produktgruppen genauer; für Getränke gelten eigene Kriterien. Deshalb kann sich die Einstufung eines Produkts geändert haben, obwohl seine Rezeptur gleich geblieben ist.

Bei Ölen und Fetten ermöglicht die angepasste Berechnung eine genauere Unterscheidung der Fettzusammensetzung. Gesättigte Fettsäuren fließen weiterhin in die Bewertung ein. Welche Auswirkungen die Überarbeitung haben kann, zeigt Pamsl am Beispiel Olivenöl: „Olivenöl kann nun beispielsweise ein B erreichen. Das ist eine bessere Bewertung innerhalb der Produktgruppe, aber keine Aussage, dass Öl kalorienarm wäre oder unbegrenzt verwendet werden sollte.“

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Nutri-Score richtig nutzen

Der Nutri-Score kann beim Einkauf Orientierung geben, ist aber keine umfassende Bewertung eines Lebensmittels. Genau hier setzt eine wichtige Kritik an: Die Farben können wie ein abschließendes Urteil wirken. Pamsl betont deshalb: „Ein grünes A bedeutet nicht automatisch, dass ein Lebensmittel insgesamt ‚gesund‘ ist oder sich für jede Person und jede Mahlzeit gleichermaßen eignet.“ Ebenso wenig macht ein E ein Produkt grundsätzlich ungesund.

Für die praktische Anwendung bedeutet das: Vergleichen Sie ähnliche Lebensmittel miteinander, statt allein nach einem möglichst grünen Buchstaben auszuwählen. Beziehen Sie außerdem die tatsächliche Verzehrmenge und Ihren gesamten Speiseplan ein. Denn, so die Expertin: „Portionsgröße, Häufigkeit des Verzehrs und der übrige Speiseplan werden nicht abgebildet. Er ist deshalb eine Ergänzung – kein Ersatz für Zutatenliste, Nährwerttabelle und eine ausgewogene Ernährung.“

Auch persönliche Anforderungen lassen sich nicht aus dem Buchstaben ablesen. „Auch individuelle Bedürfnisse – etwa bei bestimmten Erkrankungen – kann die Kennzeichnung nicht berücksichtigen“, erklärt Pamsl. Wer aus gesundheitlichen Gründen auf bestimmte Nährstoffe oder Zutaten achten muss, sollte deshalb die entsprechenden Angaben auf der Verpackung gesondert prüfen.

Eine weitere Grenze ist der Verarbeitungsgrad: Er wird durch den Nutri-Score nicht direkt bewertet. Pamsl sieht hier Ergänzungsbedarf: „Ich fände es hilfreich, den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln zusätzlich sichtbar zu machen.“ Eine solche Information müsste jedoch klar von der Nährwertbewertung unterscheidbar sein. Die Expertin fordert eine ergänzende Kennzeichnung „mit klaren Kriterien und einer verständlichen Erklärung, damit sie nicht mit der Nährwertbewertung verwechselt wird“.

Nicht zuletzt sollte die Kennzeichnung mit Ernährungswissen verbunden werden. „Jedes Kennzeichnungssystem vereinfacht komplexe Informationen und hat Grenzen“, sagt Pamsl. „Sinnvoll wäre, ihn mit verständlicher Ernährungsbildung und weiteren Informationen zu kombinieren – etwa mit einem Blick auf Zutatenliste, Portionsgröße und Produktart.“

Diese Bildung sollte aus ihrer Sicht früh beginnen: „Schon Kindergartenkinder können spielerisch lernen, welche Lebensmittel häufig auf dem Speiseplan stehen sollten und welche eher gelegentlich passen. Solche Angebote können auch Familien erreichen: Kinder bringen neues Wissen mit nach Hause und regen Gespräche über Einkauf und Mahlzeiten an.“

Auch Lebensmittel ohne Nutri-Score, etwa unverpacktes Obst und Gemüse, gehören zu einer abwechslungsreichen Ernährung. Fehlt die freiwillige Kennzeichnung, lässt sich daraus keine schlechtere Nährwertqualität ableiten. Wer die eigene Ernährung nachhaltig verbessern möchte, kann sich Unterstützung holen: Eine Ernährungsberatung berücksichtigt persönliche Bedürfnisse, Gewohnheiten und Ziele und hilft dabei, alltagstaugliche Entscheidungen zu treffen.

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FAQ

Was bedeutet Nutri-Score A wirklich?

Ein A steht für eine vergleichsweise günstige Nährwertzusammensetzung innerhalb einer passenden Produktgruppe. Es bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Lebensmittel insgesamt „gesund“ ist. Der Nutri-Score dient vor allem dazu, ähnliche Produkte miteinander zu vergleichen.

Ist der Nutri-Score in Deutschland Pflicht?

Nein. Der Nutri-Score ist eine freiwillige Kennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. Hersteller können selbst entscheiden, ob sie ihn verwenden. Die gesetzlich vorgeschriebene Nährwerttabelle ersetzt er nicht.

Welchen Nutri-Score hat Olivenöl?

Nach der aktuellen Berechnung erhält reines Olivenöl den Nutri-Score B. Ältere Verpackungen können noch ein Czeigen, da die Einstufung mit dem überarbeiteten Algorithmus verbessert wurde. Das B sagt dabei nichts über die empfohlene Verzehrmenge aus, sondern beschreibt die Nährwertbewertung innerhalb der Produktgruppe „Fette und Öle“.

Warum kann sich der Nutri-Score ändern, obwohl sich die Rezeptur nicht verändert hat?

Der Algorithmus wurde überarbeitet. Seit 2024 werden bestimmte Nährstoffe anders gewichtet und einzelne Produktgruppen, etwa Getränke, nach angepassten Kriterien bewertet. Deshalb kann dasselbe Produkt unter den neuen Berechnungsregeln einen anderen Nutri-Score erhalten – auch wenn seine Rezeptur unverändert geblieben ist.

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Veröffentlicht am 28.10.2026

Quellenangaben

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